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Wie und warum das allgemeine Bildungswesen unsere Kinder
verkrüppelt von John Taylor Gatto
How public education cripples our
kids, and why By John Taylor Gatto (Übersetzung: Oliver Baillieu)
John
Taylor Gatto ist ein ehemaliger Lehrer des Jahres aus dem Staate und der Stadt
New York und seit kurzem der Autor von "Die Untergrund-Geschichte der
amerikanischen Erziehung". Er war Mitwirkender in dem Forum "School on a Hill" von
Harpers Magazine, das in der September-Ausgabe des Jahres 2001 erschien.
Ich lehrte die letzten 30 Jahre in einigen der schlimmsten
Schulen von Manhattan und in einigen der besten, und während dieser Zeit wurde
ich Experte in Sachen Langeweile. Langeweile war überall in meiner Welt, und
wenn Sie die Kinder gefragt hätten, so wie ich es oft tat, warum sie sich so langweilten, gaben sie immer die selben Antworten: Sie sagten,
dass die Arbeit dumm war, dass es keinen Sinn machte, dass sie es schon längst
wussten. Sie sagten, dass sie etwas reales tun möchten, nicht nur herumsitzen.
Sie sagten, dass Lehrer anscheinend nicht sehr viel über ihre Fächer wussten,
und dass sie offensichtlich nicht daran interessiert wären, mehr zu lernen. Und die
Kinder hatten recht: Ihre Lehrer waren genauso gelangweilt, wie sie es
waren.
Langeweile ist der gemeinsame Zustand der Schullehrer, und jeder, der
Zeit in einem Lehrer-Aufenthaltsraum verbracht hat, kann für die niedrige
Energie, das Wimmern, die niedergeschlagenen Einstellungen bürgen, die dort
zu finden sind. Wenn sie gefragt werden, warum sie sich so langweilen, neigen
Lehrer dazu... die Schuld auf die Kinder zu schieben.
Wer würde sich nicht langweilen,
Schüler zu unterrichten, die unverschämt und nur an Noten interessiert sind? Wenn
das überhaupt der Fall ist. Natürlich sind Lehrer selber Produkte des ...
Schulprogramms, das seine Schüler so gründlich langweilt, und als
Schul-Belegschaft sind sie in noch rigideren Strukturen gefangen als jene ...
der Kinder. Wer ist schuld?
Wir alle sind es. Mein Großvater hat mir das beigebracht. An einem
Nachmittag, als ich sieben Jahre alt war, klagte ich bei ihm über Langeweile,
und er schlug mir hart auf den Kopf. Er sagte mir, dass ich dieses Wort in
seiner Anwesenheit nie wieder benutzen dürfte, dass, wenn ich mich langweilte, es meine
Schuld wäre und nicht die eines anderen. Die Verpflichtung mich selber zu unterhalten und zu
unterrichten war ganz und gar meine. Menschen, die das nicht wüßten, wären kindische Menschen,
die man, wenn möglich meiden sollte. ...
(re SCHULE) Wir könnten die besten Qualitäten
der Jugendlichkeit fördern - Neugierde, Abenteuer, Belastbarkeit, die Kapazität
für überraschende Einblicke - einfach dadurch, dass man flexibler wäre, mit
Zeit, Texten und Prüfungen, dass man Kinder an wahrhaft kompetente Erwachsene
heranführt, und dass man jedem Schüler die Autonomie gibt, die er oder sie
benötigt, um gelegentlich ein Risiko einzugehen.
Aber wir tun das nicht. Je
mehr ich fragte, warum wir das nicht tun, und darauf bestand, über das "Problem"
des Schulbesuches, wie es ein Ingenieur machen dürfte, nachzudenken, desto
mehr hatte ich das Wesentliche nicht begriffen:
Was, wenn es gar kein "Problem" mit
unseren Schulen gäbe? Was, wenn sie so sind, wie sie sind, so kostspielig
raffiniert angesichts gesunden Menschenverstandes und langer Erfahrung, wie man
Kindern etwas lehrt, nicht weil sie etwas falsch machen,
sondern weil
sie etwas richtig machen? Ist es möglich, dass George W. Bush versehentlich die
Wahrheit sagte, als er sagte, wir würden "kein Kind zurücklassen"? Könnte es sein, dass
unsere Schulen darauf ausgelegt sind, sicher zu stellen, dass keiner von ihnen
jemals wirklich erwachsen wird?
Brauchen wir wirklich die Schule? Ich meine nicht
Schulbildung, sondern aufgezwungene Schulung: sechs Unterrichtsstunden am Tag,
fünf Tage die Woche, neun Monate im Jahr, für zwölf Jahre. Ist diese tödliche
Routine wirklich nötig? Und wäre es so, für was? Verstecken Sie sich nicht hinter
Lesen, Schreiben, Rechnen als Begründung, weil zwei Millionen glücklich zu
Hause Unterrichteter diese banale Rechtfertigung mit Sicherheit
widerlegen.
Selbst wenn
sie es nicht wären, eine beträchtliche Zahl von bekannten Amerikanern ging
niemals durch die zwölf-Jahre-Wringmaschine, die unsere Kinder momentan
durchgehen, und sie wurden alle etwas. George Washington, Benjamin Franklin, Thomas
Jefferson, Abraham Lincoln? Jemand lehrte sie mit Sicherheit, aber sie ware keine Produkte
des Schulsystems, und nicht einer von ihnen war jemals
Oberschulen-Absolvent. Fast durchwegs durch die amerikanische Geschichte gingen
Kinder im allgemeinen nicht zur High School, und doch wurden die Ungeschulten
Admiräle, wie Farragut; Erfinder, wie Edison; Kapitäne der Industrie, wie
Carnegie und Rockefeller; Schriftsteller, wie Melville und Twain und Conrad;
und sogar Wissenschaftler, wie Margaret Mead. In der Tat wurden bis vor kurzem
Menschen, die das Alter von 13 Jahren erreichten, überhaupt nicht als Kinder
angesehen.
Ariel Durant, die an einem enormen und sehr guten,
mehrbändigen Weltgeschichtsband mit ihrem Ehemann Will mitschrieb, heiratete
glücklich mit 15 Jahren, und wer könnte halbwegs behaupten, dass Ariel Durant
eine ungebildete Person war? Ungeschult vielleicht, aber nicht
ungebildet.
Uns wurde in diesem Lande gelehrt (d.h. geschult), dass "Erfolg"
ein Synonym für, oder zumindest abhängig von "Schulung" sei, aber geschichtlich
gesehen ist das nicht wahr, weder im intellektuellen noch finanziellen Sinne.
Und eine Menge Menschen auf der Welt finden heutzutage einen Weg, sich selbst zu
bilden, ohne in ein System von zwangsmäßigen Oberschulen zu flüchten, die all zu
oft Gefängnissen ähneln. Warum also verwechseln Amerikaner Ausbildung mit solch
einem System? Was ist, genau gesehen, die Absicht unserer öffentlicher
Schulen?
Massen-Schulung einer zwangsmäßigen Art betrat amerikanischen Boden
zwischen den Jahren 1905 und 1915, obgleich es viel früher ausgedacht und im
größten Teil des 19. Jahrhunderts durchgesetzt wurde. Der Grund für diesen
enormen Umbruch des Familienlebens und der kulturellen Traditionen läßt sich
grob in drei Punkte aufteilen:
1. Um gute Menschen zu machen.
2. Um gute
Bürger zu machen.
3. Damit jede Person sein oder ihr persönlich Bestes
gibt.
Diese Ziele werden heute weiterhin regulär angesteuert, und die
meisten von uns akzeptieren sie in der einen oder anderen Form als eine
anständige Definition der Mission der öffentlichen Schulausbildung, wie
Kurzschulen es auch zu erreichen scheinen. Aber wir liegen ja so falsch. Es ist
eine Tatsache, dass wir unsere Fehler verschlimmern, dass die landesweite
Literatur zahlreiche und überraschend übereinstimmende Feststellungen von der
wahren Absicht der zwangsmäßigen Schulausbildung aufweist.
Wir haben z.B. den
großen H.L.Mencken, der in "The American Mercury" vom April 1924 schrieb, dass
das Ziel der öffentlichen Schulausbildung nicht sei, die Jungen der Spezies mit
Wissen aufzufüllen und ihre Intelligenz zu erwecken.
... Nichts könnte
entfernter von der Wahrheit sein. Das Ziel ... ist einfach so viel Individuen
wie möglich auf den gemeinsamen, sicheren Level herabzusetzen, um eine
standartisierte Bürgerschaft auszubrüten und zu trainieren, um abweichende
Meinung und Originalität abzuwehren. Das ist ihr Ziel in den Vereinigten Staaten
... und das ist ihr Ziel überall sonst. Aufgrund Menckens Reputation eines
Satirikers, könnten wir versucht sein, diese Passage als einen übertriebenen
Sarkasmus abzulehnen. Sein Artikel spürt jedenfalls die Vorlage für unser
eigenes Ausbildungssystem auf, und das geht zurück bis zu dem mittlerweile
verschwundenen, obwohl niemals vergessenen, militärischen Preußen-Staat. Und
obwohl er sich der Ironie sicherlich bewusst war, dass wir unlängst mit
Deutschland im Krieg standen, war Mencken bezüglich des preußischen Gedanken-
und Kultur-Erbes absolut ernsthaft. Unser Bildungssystem ist im Ursprung
wirklich preußisch, und das ist wirklich ein Grund zur Sorge.
Die sonderbare
Tatsache einer preußischen Herkunft unserer Schulen taucht immer auf, sobald man
weiß, wie man danach sucht. William James wies am Ende der Jahrhunderts oft
darauf hin. Orestes Brown, der Held aus Christopher Laschs Buch "Der wahre und
einzige Himmel" (1991), prangerte öffentlich die Verpreußerung der
amerikanischen Schulen damals in den 1840-ern an. Horace Manns "Siebenter
Jährlicher Bericht" an den Massachusetts State Board of Education im Jahre 1843
ist hauptsächlich ein Lobgesang an das Land Friedrichs des Großen und ein
Aufruf, seine Schulausbildung hierher zu bringen. Dass sich diese preußische
Kultur lange in Amerika abzeichnete, ist kaum überraschend, angesichts unserer
früherer Assoziation mit jenem utopischen Staat. Ein Preuße diente als Berater
Washingtons während des Revolutionskrieges, und so viele deutsch-sprachige
Menschen hatten sich hier bis 1795 angesiedelt, dass der Kongress in Erwägung
zog, eine deutsch-sprachige Ausgabe der Bundesgesetze zu veröffentlichen. Aber
was schockiert, ist, dass wir so eifrig eines der schlimmsten Aspekte der
preußischen Kultur übernahmen: Ein Ausbildungssystem absichtlich dafür
konzipiert, um mittelmäßige Geistesschärfe zu produzieren, um das innere Leben
zu verkrüppeln, um den Schülern nennenswerte Führungsqualitäten zu verweigern,
und um fügsame und unvollendete Bürger zu garantieren, um das gemeine Volk
"kontrollierbar" zu machen.
Es war von James Bryant Conant - zwanzig Jahre
Präsident von Harvard, Giftgas-Spezialist im 1. Weltkrieg, Ausführender des
Atombomben-Projektes im 2. Weltkrieg, Oberkommissar in der amerikanischen Zone
in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg, und wahrlich einer der einflussreichsten
Figuren des 20. Jahrhunderts - dass ich von den wirklichen Absichten der
amerikanischen Schulausbildung Wind bekam. Ohne Conant würden wir wahrscheinlich
nicht den gleichen Stil und Grad standartisierter Tests haben, wie wir sie heute
genießen, noch würden wir mit riesigen High Schools gesegnet sein, die zur
selben Zeit 2000 bis 4000 Schüler lagern, so wie die berühmte Colombine High in
Littleton, Colorado. Kurz nachdem ich aus dem Lehramt ausgeschieden war, gabelte
ich Conants buch-langes Essay aus dem Jahr 1959 auf (Das Kind, der Elternteil
und der Staat), und war mehr als ein bißchen fasziniert, wie er beiläufig
erwähnte, dass die modernen Schulen, denen wir beiwohnen, das Ergebnis einer
"Revolution", ausgereift zwischen 1905 und 1930, waren.
Eine Revolution? Er
führt es nicht näher aus, aber er richtet die Neugierigen und Uninformierten auf
das Buch "Prinzipien der höheren Schulbildung" von Alexander Inglis aus dem Jahr
1918, in welchem "man diese Revolution durch die Augen eines Revolutionärs
sah".
Inglis, nach dem eine Vorlesung über Bildung an der Harvard University
benannt worden ist, macht es völlig klar, dass zwangsmäßige Schulbildungen auf
diesem Kontinent dafür gedacht waren, was es für Preußen in den 1820-ern war:
eine fünfte Kolonne in der bourgeoisen, demokratischen Bewegung, die damit
drohte, den Kleinbauern und den Proletariern eine Stimme am Verhandlungstisch
zu
geben.
Moderne, industrialisierte, zwangsmäßige Schulbildung sollte eine Art
chirurgischen Einschnitt in die angehende Einigkeit dieser Unterklassen machen.
Trenne Kinder nach Fachgebiet, nach Altersklassen, nach konstanten
Test-Rangordnungen und nach vielen anderen, noch ausgetüftelteren Mitteln, und
es war unwahscheinlich, dass die unwissende Masse von Menschheit, getrennt in
der Kindheit, sich jemals in ein gefährliches Ganzes re-integrieren
würde.
Inglis gliedert die Absicht - die tatsächliche Absicht - der modernen
Schulausbildung in sechs elementare Funktionen, von denen jede ausreicht, um
die Haare der Unschuldigen zu Berge stehen zu lassen, und um die drei, zuvor
aufgelisteten, traditionellen Ziele zu glauben:
1. Die verstellbare oder
anpassungsfähige Funktion. Schulen müssen feste Reaktions-Gewohnheiten gegenüber
Autoritäten etablieren. Dies schließt natürlich kritisches Beurteilen komplett
aus. Es zerstört außerdem so ziemlich die Idee, dass nützliches oder
interessantes Material gelehrt werden sollte, weil man reflexiven Gehorsam
solange nicht testen kann, bis man weiß, ob man es schaft, dass Kinder etwas
lernen und sie alberne und langweilige Sachen tun.
2. Die integrierende
Funktion. Dies könnte gut "die Anpassungs-Funktion" genannt werden, weil ihre
Absicht ist, Kinder so gleich zu machen wie möglich. Menschen, die sich anpassen
sind vorhersehbar, und das nützt außerordentlich jenen, die viele
Erwerbspersonen nutzbar machen und manipulieren wollen.
3. Die
diagnostische und weisende Funktion. Die Schule sollte die angemessene soziale
Rolle eines jeden Schülers beschließen. Dies wird getan, indem man Beweise
mathematisch und anekdotenhaft in kumulativen Aufzeichnungen protokolliert. So
wie in "deine permanenten Aufzeichnungen". Ja, Sie haben eine.
4. Die
differenzierende Funktion. Ist einmal ihre soziale Rolle "diagnostiziert",
müssen Kinder nach ihrer Rolle sortiert und nur so weit trainiert werden, wie
ihr Ziel in der sozialen Maschinerie es verdient - und keinen Schritt weiter. So
viel dazu, wie man Kinder dazu bringt, ihr persönlich Bestes zu geben.
5.
Die selektive Funktion. Dies bezieht sich überhaupt nicht auf die menschliche
Wahlmöglichkeit, sondern auf Darwins Theorie der natürlichen Selektion,
anwendungsbezogen auf das, was er "die begünstigten Rassen" nannte. Kurz, die
Idee ist, den Dingen auf den Weg zu helfen, indem man bewusst versucht, die
Aufzucht zu verbessern. Schulen sind dafür da, den Untauglichen zu markieren -
mit schlechten Noten, Nachhilfeunterricht und anderen Strafen - klar genug,
damit ihre Gleichaltrigen sie als tieferstehend akzeptieren werden und sie in
wirksamer Weise aus den sich reproduzierenden Wettspielen ausschließen. Das
ist, was all diese kleinen Erniedrigungen von der ersten Klasse an zu tun hatten:
Den
Dreck wegzuwaschen.
6. Die einführende Funktion. Das gesellschaftliche
System, angedeutet von diesen Regeln, wird eine elitäre Gruppe von Aufsehern
erfordern. Zu diesem Zweck wird eine kleine Fraktion von Kindern leise gelehrt
werden, wie man dieses anhaltende Projekt bewerkstelligt, wie man auf eine
Population aufpasst und sie kontrolliert, deren geistiges Niveau
absichtlich so weit ordnungsgemäß heruntergeschraubt wird, damit die Regierung
unbestritten weitermachen darf und Kapitalgesellschaften sie niemals für
folgsame Arbeit wollen würden.
Das ist unglücklicherweise die Absicht der
vorgeschriebenen öffentlichen Schulbildung in diesem Lande. Und damit man Inglis
nicht für einen isolierten Spinner mit einer eher zu zynischen Einstellung
gegenüber dem pädagogischen Unternehmen hält, sollte man wissen, dass er kaum
ein alleiniger Vorkämpfer dieser Ideen war.
Conant selbst, aufbauend auf den
Ideen von Horace Mann und anderen, kämpfte unermüdlich für ein amerikanisches
Schulsystem, welches nach den selben Zügen konstruiert wurde.
Männer wie
George Peabody, der die Sache der vorgeschriebenen Schulausbildung im ganzen
Süden finanziell unterstützte, verstand sicherlich, dass das preußische System
nicht nur im Erschaffen einer harmlosen Wählerschaft und einer unterwürfigen
Arbeiterschaft brauchbar, sondern auch einer virtuellen Herde von geistlosen
Verbrauchern war.
Rechtzeitig begriff eine große Anzahl von Industrie-Titanen
die enormen Profite, die man hätte, wenn man gerade solch eine Herde durch
öffentliche Schulbildung kultivieren und pflegen würde, unter ihnen Andrew
Carnegie und John D. Rockefeller.
Da haben Sie es. Jetzt wissen Sie es.
Wir benötigen nicht das Konzept von Karl Marx von einem großen Klassenkampf, um
zu sehen, dass es im Interesse komplexen Managements ist, ökonomisch oder
politisch, das geistige Niveau der Menschen herunterzuschrauben, sie zu
demoralisieren, sie von einander zu trennen und sie wegzuwerfen, sollten sie
sich nicht fügen.
Die Klasse möge die Absicht formulieren, so wie damals
Woodrow Wilson, damaliger Präsident der Princeton University, das folgende zur
New York City School Teachers Association im Jahr 1909 sagte: "Wir wollen eine
Klasse von Personen, die eine liberale Bildung haben, und wir wollen eine
weitere Klasse von Personen, eine sehr viel größere Klasse, der Notwendigkeit,
in jeder Gesellschaft, die auf die Privilegien einer liberalen Bildung
verzichtet und sich selber anpasst, um speziell schwierige, manuelle Aufgaben
auszuführen."
Aber die Motive hinter den abscheulichen Entscheidungen,
die diese Ziele herbeiführen, müssen überhaupt nicht klassen-basierend sein.
Sie können völlig aus der Angst herrühren oder aus dem mittlerweile geläufigen
Glauben, dass "Effizienz", eher als Liebe, Befreiungskampf, Lachen oder
Hoffnung, die überragende Tugend ist. Vor allem können sie aus einfacher
Gier herrühren.
Es gab schließlich gewaltige Vermögen zu machen, in einer
Wirtschaft, die auf Massenproduktion basiert, und organisiert ist, um die großen
Unternehmen eher zu begünstigen, als den kleinen Betrieb oder die familiäre
Farm. Aber Massenproduktion benötigte Massenverbrauch, und am Ende des 20.
Jahrhunderts betrachteten die meisten Amerikaner es sowohl als unnatürlich
als auch unklug, Dinge zu kaufen, die sie nicht wirklich
brauchten.
Vorgeschriebene Schulausbildung war da von Gott gesandt. Die
Schule musste die Kinder nicht in irgendeiner Richtung trainieren zu denken,
dass sie nonstop konsumieren sollten, weil sie sogar etwas besseres machte:
Sie
ermutigte sie, überhaupt nicht zu denken. Und das ließ sie zur leichten Beute
der nächsten großen Erfindung der modernen Ära werden - Marketing.
Nun
müssen Sie nicht Marketing studiert haben, um zu wissen, dass es zwei Gruppen
von Menschen gibt, die immer überzeugt werden können, mehr zu konsumieren, als
sie brauchen: Süchtige und Kinder. Die Schule hat einen ziemlich guten Job
gemacht, unsere Kinder in Süchtige zu verwandeln, jedoch hat sie einen
spektakulären Job gemacht, unsere Kinder in Kinder zu verwandeln. Es ist wieder
kein Zufall. Theoretiker von Plato bis Rousseau bis zu unserem Dr. Inglis
wussten, wenn Kinder mit anderen Kindern abgeschieden werden könnten, von
Verantwortung und Unabhängigkeit entbunden, ermutigt nur die trivialsten
Emotionen der Gier, des Neides, der Eifersucht und der Angst zu entwickeln,
würden sie zwar älter werden, aber niemals wirklich erwachsen sein.
In der
Ausgabe seines ehemals sehr bekannten Buches "Öffentliche Schulbildung in den
Vereinigten Staaten" aus dem Jahr 1934 detaillierte und rühmte Ellwood P.
Cubberley den Weg, dass die Strategie der sukzessiven Schulvergrößerungen die
Kindheit um bis zu zwei bis sechs Jahren ausweitete. Und Zwangs-Schulausbildung
war zu jenem Zeitpunkt noch ziemlich neu. Dieser selbe Cubberley - der Dekan der
Stanford's School of Education, ein Buch-Herausgeber bei Houghton Mifflin und
Freund von Conant und Korrespondent in Harvard war - hatte das folgende in der
Ausgabe von seinem Buch "Öffentliche Schulverwaltung" des Jahres 1922
geschrieben:
" Unsere Schulen sind ... Fabriken, in denen die rohen Produkte
(Kinder) geformt und gestaltet werden müssen ... Und es ist die Angelegenheit
der Schule, seine Schüler entsprechend der festgeschriebenen Spezifikationen
zusammen zu bauen."
Von unserer heutigen Gesellschaft aus gesehen, ist es
völlig offensichtlich, was diese Spezifikationen waren. Bis jetzt wurde Reife
aus fast allen Aspekten unseres Lebens verbannt. Leichte Scheidungsgesetze haben
die Notwendigkeit an Beziehungen zu arbeiten beseitigt; leichter Kredit hat die
Notwendigkeit der finanziellen Selbstkontrolle beseitigt; leichte Unterhaltung
hat die Notwendigkeit des Lernens, sich selbst zu unterhalten, beseitigt;
leichte Antworten haben die Notwendigkeit Fragen zu stellen beseitigt. Wir
wurden eine Nation der Kinder. Glücklich geben wir unser Urteilsvermögen und
unseren Willen an politische Ermahnungen und kommerzielle Schmeicheleien ab, was
tatsächliche Erwachsene beleidigen würde.
Wir kaufen Fernsehapparate, und
dann kaufen wir Dinge, die wir im Fernsehen sehen. Wir kaufen Computer, und
dann kaufen wir die Dinge, die wir im Computer sehen. Wir kaufen Turnschuhe
für 150
Dollar, ob wir sie brauchen oder nicht, und wenn sie zu früh auseinander fallen,
kaufen wir ein neues Paar. Wir fahren Geländewagen und glauben die Lüge, dass
sie eine Art von Lebensversicherung darstellen, sogar wenn wir in ihnen auf dem
Kopf sind. Und das Schlimmste von allen, wir schlagen kein Auge zu, wenn Ari
Fleischer uns sagt: "Paß auf, was du sagst!". Sogar wenn wir uns erinnern, dass
uns irgendwann damals in der Schule gesagt wurde, dass Amerika das Land der
Freien sei. Wir kaufen auch das einfach ab. Unsere Schulausbildung hat sich, wie
beabsichtigt, um alles gekümmert.
Nun zu den guten Nachrichten. Verstehen
Sie einmal die Logik hinter der modernen Schulausbildung, sind ihre Tricks
und Fallen ziemlich leicht zu umgehen. Die Schule trainiert Kinder auf Angestellte
oder Verbraucher; lehren Sie Ihre Eigenen, Anführer und Abenteurer zu sein. Die
Schule trainiert Kinder, reflexiv zu gehorchen; lehren Sie Ihre Eigenen,
kritisch und unabhängig zu denken. Gut geschulte Kinder haben eine niedrige
Schwelle der Langeweile; helfen Sie Ihren Eigenen, ein inneres Leben zu
entwickeln, damit sie sich niemals langweilen werden. Drängen Sie sie, dass
ernste Material aufzunehmen, das erwachsene Material, in Geschichte, Literatur,
Philosophie, Musik, Kunst, Wirtschaft, Theologie - all diesen Stoff, den
Schullehrer gut zu meiden wissen. Fordern Sie Ihre Kinder mit reichlich
Alleinsein heraus, so dass sie lernen können, ihre eigene Gesellschaft zu
genießen, damit sie innere Dialoge führen können.
Gut geschulte Menschen
müssen das Alleinsein fürchten, und sie suchen ständig Begleitung, durch den
Fernseher, den Computer, das mobile Telephon und durch oberflächliche
Freundschaften, die schnell geschlossen und schnell wieder verlassen werden.
Ihre Kinder sollten ein bedeutungsvolleres Leben haben, und sie können es
haben.
Zunächst jedoch müssen wir aufwachen, damit wir sehen, was unsere
Schulen wirklich sind: Laboratorien mit Experimenten, die sich dem jungen Geist
widmen, Pauk-Center der Gewohnheiten und Haltungen, die die Konzerngesellschaft
verlangt. Gezwungene Schulbildung dient den Kindern nur zufällig; ihre wahre
Absicht ist, sie in Diener zu verwandeln.
Erlauben Sie Ihren Eigenen nicht,
ihre Kindheit zu verlängern, nicht mal für einen Tag lang. Wenn David Farragut
mit unter zehn Jahren das Kommando eines eroberten britischen Kriegsschiffes
übernehmen konnte, wenn Thomas Edison im Alter von zwölf ein Flugblatt
veröffentlichen konnte, wenn Ben Franklin im selben Alter sich selber zum
Drucker ausbildete (dann schickte er sich selber durch ein Studium, was einen
Yale-Studenten heutzutage rot anlaufen lassen würde), dann gibt es nichts zu
sagen, was Ihre eigenen Kinder tun könnten. Nach einem langen Leben, und dreißig
Jahren in den öffentlichen Schulgräben, kam ich zu dem Schluß, dass Genie so
alltäglich ist, wie Schmutz. Wir unterdrücken unser Genie nur, weil wir noch
nicht herausgefunden haben, wie man eine Bevölkerung gebildeter Männer und
Frauen handhabt. Die Lösung, denke ich, ist einfach und glorreich. Lassen Sie
sie sich selbst führen.
Quelle:
http://www.spinninglobe.net/againstschool.htm
©98 von Vera F. Birkenbihl, www.birkenbihl-insider.de